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Kommentar: Stadtentwicklung und kulturelle Infrastruktur

Wohin wächst die Kultur?

 Der Diskurs über die wachsende Stadt hat erhebliche Lücken. Eine kulturelle Infrastrukturplanung täte not! (Leicht gekürzt erschienen in FALTER 1/2015)

Von Martin Fritz

Wien wächst also. Diskussionen um Stadtentwicklung oder Stadtverdichtung, bis dato eher Insiderthemen, haben die breite Öffentlichkeit erreicht. Und das ist gut so, ist man versucht zu sagen, denn was eignete sich besser für die breite Anteilnahme verschiedenster Interessengruppen als die Auseinandersetzung über die Zukunft der unmittelbaren Lebensumgebung. Es ist also erfreulich, dass auf vielen verschiedenen Ebenen darüber diskutiert wird, ob der benötigte Wohnraum in bisher unbebauten Erweiterungszonen, durch Verdichtung, Nutzung von Baulücken oder die fortgesetzte Nutzung der vielen Dachgeschosse dieser Stadt errichtet werden soll. Will man den glaubwürdigen Prognosen folgen, sind ohnehin alle diese Maßnahmen notwendig, um dem Wachstum der Stadt gerecht zu werden.

Dennoch hat der mittlerweile intensivierte Diskurs über die Zukunft der Stadt erhebliche Lücken. Eine davon betrifft die Frage nach der kulturellen und gemeinnützigen Infrastruktur dieser Stadt im 21 Jahrhundert. Gerade wegen der Wachstumsdynamik und in Verbindung mit den tief greifenden demographischen Veränderungen unserer Gesellschaft wäre eine diesbezügliche Debatte jedoch notwendiger denn je. Bald 100 Jahre nach der Übernahme der imperialen kulturellen Infrastruktur durch die junge erste Republik muss darüber nachgedacht werden, welche Orte und Institutionen die mittlerweile interkulturelle, internationale und wieder gewachsene Hauptstadt und ihre Bevölkerung in Zukunft prägen werden.

 Zwei Dinge werden unumgänglich sein: Einerseits werden alle bestehenden Institutionen daran zu arbeiten haben, auch in einer veränderten Gesellschaft eine legitime Position zu erhalten. Diese Diskussion wird die Programme ebenso umfassen müssen wie die Strukturen und Standorte. Ein Beispiel dafür kann die Diskussion über das Kasino am Schwarzenbergplatz sein: Natürlich könnte es mit betriebswirtschaftlichem Gewinn und ohne allzu schmerzlichen Verlust für das Publikum geschlossen werden, da eben dieses Publikum auch an anderen Orten gut bedient wird. Es gäbe jedoch sehr viel bessere Gründe für die Überlegung, mit dieser guten finanziellen Ausstattung (aber veränderter Programmierung) eine neue Burgtheaterspielstätte an den aktuellen Orten urbaner Gegenwart – etwa jenseits der Donau oder im 10. Bezirk – zu eröffnen.

Noch wichtiger erscheint jedoch – auch in Zeiten matter Konjunktur (oder vielleicht gerade deswegen) – an Neugründungen denken. Vor allem eine aktualisierte Neubewertung der Konzepte von Kulturhäusern, Gemeindezentren, Häusern der Begegnung, Volkshochschulen und Bibliotheken verspricht hier einiges an zukunftsträchtigem Potenzial: Manche dieser Orte haben sich bereits seit längerem an die veränderte Gesellschaft angepasst – ein Besuch in den neu ausgestatteten Bibliotheken dieser Stadt stützt diese Wahrnehmung – und die alltagskulturellen Zentren eröffnen teils bessere Andockmöglichkeiten für die Kulturen der Gegenwart als die großen innerstädtischen Kulturtanker. Wo sich zeitgemäße Jugendkultur zum Beispiel stark mit Do-it-Yourself-Konzepten und aktuellen Medienrealitäten verknüpft, ist für einen Teenager des Jahres 2014 der Schritt von ausgeborgten DVDs zum selbst gedrehten Clip wahrscheinlich kleiner, als die Wahrscheinlichkeit nach dem Betrachten eines Velazques im Kunsthistorischen Museum zum Maler zu werden.

Es wäre daher notwendig, dass sich die rotgrüne Koalition, parallel zum aktuell auf hohen Touren betriebenen Stadtentwicklungs- und Wohnbaudiskurs, darauf einigt, eine umfassende kulturelle Infrastrukturplanung durchzuführen und die Fach- und Zivilgesellschaft daran zu beteiligen. Immerhin lässt sich die Vize-Bürgermeisterin Renate Brauner im Standard vom 28.8. 2014 damit zitieren, dass in den kommenden Jahren 400 Millionen Euro in Kultur und Wissenschaft investiert werden müssten. Die Intensität der aktuellen Debatten über die Zukunft der Stadt verschafft eine einmalige Gelegenheit für eine Debatte über die Zukunft des kulturellen Lebens dieser Stadt.

Martin Fritz ist Kurator, Berater und Publizist in Wien

NGBK, Berlin 18.3.2014

Diskussion "Potenziale der Kunst im öffentlichen Raum". Zwei Statements:

"Gerade der öffentliche Raum ist jedoch kein Freiraum sondern ein verwalteter, und auch von anderen genutzter Raum. Die zahlreiche Beteiligten erwarten sich Antworten auf ihre Fragen: Wer, Wo, Wann, Was, Wieviel, Warum? Allmachtsphantasien und Geniegetue sind hier fehl am Platz. 'Wenn Kunst im öffentlichen Raum tatsächlich "die Sehnsucht nach den Lokalseiten" (Georg Schöllhammer) zum Ausdruck bringt, muss sie sich auch denselben Prozeduren unterwerfen wie etwa der Migrant, der einen Kiosk betreiben will."

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 "Ich glaube mittlerweile, das es wenig zielführend ist zu versuchen, alle Möglichkeiten zur Intervention und Teilhabe am öffentlichen Leben mit einem Begriff zu fassen. Möglicherweise liegt jedoch der Wert von Rollenbeschreibungen wie "KünstlerIn" oder"Urban Practitioner" genau darin, dass diese offenen Begriffe den AkteurInnen ermöglichen, eine neuartige Vielzahl von Methoden und Instrumenten in die urbane Praxis einzubringen, und dennoch so etwas wie eine Berufsbezeichnung zu führen, die ein Recht auf formelle Teilnahme an Planungsprozessen verleihen könnte. Doch auch ohne Vertrag, Sitz, und Stimme stehen sämtliche Formen zivilgesellschaftlicher Intervention zur Verfügung. Vielleicht müssen wir in bestimmten Fragen hin und wieder auch BürgerIn, NachbarIn, AktivistIn oder PolitikerIn sein. Mit anderen gemeinsam."

Texte

Causeries du lundi 1 - 80

Diese 80 Texte erschienen von 2009 bis 2016 auf artmagazine.cc im Rahmen der "Causeries du lundi". Schwerpunktthemen waren u.a.: Kontextkunde und Institutionskritik, Kulturpolitik und Kulturmanagement sowie Ortspezifische Kust und Stadt.

 

Museumsordnungen neu: Hochgecoachte Egos und versteckte Bomben www.artmagazine.cc/content43822.html

Im Steinbruch des Rechts www.artmagazine.cc/content44878.html

Die 1990er ziehen sich: 39 Jahre Kunstbericht www.artmagazine.cc/content44386.html

Punktuelle Einblicke. Verdienen im Museum www.artmagazine.cc/content45291.html

Männerphantasien: Noever, Morak, Strache und ich www.artmagazine.cc/content45816.html

Meine Kontobewegungen: Aufwärmen für die Transferdebatte www.artmagazine.cc/content46454.html

Rot-Grüne Radieschen am 1. Mai: Wien denkt weiter www.artmagazine.cc/content47813.html

Potenzial für neue Allianzen: Im Treibsand der Sozialversicherung www.artmagazine.cc/content48260.html

Entstellung verboten - Zerstörung erlaubt? Urheberrechte im Vergleich www.artmagazine.cc/content48837.html

Einen Steinwurf entfernt: Berlins fragile Infrastrukturen www.artmagazine.cc/content49552.html

Aus der Mottenkiste: A.T. Kearney berät Kultur www.artmagazine.cc/content50338.html

Tauschen und Teilen: Schattenwirtschaften im Kunst... www.artmagazine.cc/content50975.html

Vernachlässigt und desavouiert: „Gremien” im Kulturbereich www.artmagazine.cc/content51537.html

Inside the White Cube 2010 www.artmagazine.cc/content52117.html

Legalleaks: Quellenkunde für BürgerInnen www.artmagazine.cc/content52687.html

Schiele ist der Marmeladenmann: Werbung mit und für kunst www.artmagazine.cc/content53226.html

Geburtstagstorte oder Ausstellungshonorar? Petitionen anderswo www.artmagazine.cc/content54123.html

Solidarität und Freiheit. Petitionen anderswo II www.artmagazine.cc/content54918.html

Einladungen, Gespräche und Boote: Die Währungen von Venedig www.artmagazine.cc/content55798.html

Vom Meisterschüler zum PhD: Titelkunde zum Semesterende www.artmagazine.cc/content56392.html

Rechte auf der Waage: Strafrecht und Kunstfreiheit www.artmagazine.cc/content56855.html

An der Datenbasis: Für Lioba Reddeker www.artmagazine.cc/content57640.html

Zum hundertsten Mal: Brutto ist nicht Netto www.artmagazine.cc/content58160.html

Kulturschaffende! Werdet Bankaufsichtsräte! www.artmagazine.cc/content58707.html

Anstrengender Spagat: Berliner Kulturpolitik im O-Ton artmagazine.cc/content59275.html

Ungefragte Tipps: Infrastrukturen für morgen artmagazine.cc/content59940.html

Öffentliche Wirtschaft in Kunst und Kultur: Das Einkommen der 99% artmagazine.cc/content60494.html

Speedskier und Sportholzfäller: Die Konkurrenz der Kunst artmagazine.cc/content60939.html

Infusion oder Amputation? Berliner Forderungen gegen den Infarkt artmagazine.cc/content61499.html

Follow the Money! Urheberrecht als Massenphänomen artmagazine.cc/content62059.html

Kellner, Schlagersänger und Bergarbeiter: Mit der Manifesta auf der Suche nach der Arbeit von gestern artmagazine.cc/content62502.html

Steinchen für das Kunstpuzzle: Ausstellungshonorare in New York www.artmagazine.cc/content62998.html

Im Schilderwald. Ausstellungen und ihre Regeln www.artmagazine.cc/content63570.html

Zwiespältige Signale: Das Doppelgesicht von Einladungen www.artmagazine.cc/content64159.html

Planung im Ex-Kaiserforum: Koordination bitte! www.artmagazine.cc/content64563.html

Angemessenheit und Größe: Michael Asher 1943 – 2012 www.artmagazine.cc/content65196.html

Zimtig und diskret: Dezember im Museum www.artmagazine.cc/content65748.html

Übersehen und verschwiegen: Staatsgeld in den USA www.artmagazine.cc/content66354.html

Einladen und eingeladen werden: Korruptionsstrafrecht und Kulturbereich www.artmagazine.cc/content66982.html

10 Regeln für prekäre Schreiber_innen www.artmagazine.cc/content67546.html

Mein Steuergeld: 41 Cent für das MUMOK www.artmagazine.cc/content68154.html

Die lehnenlose Bank: Inside the Dark Cube www.artmagazine.cc/content68799.html

Der Subtext von Venedig: Politik im Schaufenster artmagazine.cc/content69574.html

Museale Huldigungen: Wir sind wieder Kaiser artmagazine.cc/content70302.html

Herr, es ist Zeit! Rede zur Eröffnung der Herbstsaison www.artmagazine.cc/content72024.html

Kälterer Wind: Kulturpolitik nach der Wahl www.artmagazine.cc/content72841.html

Handlungsspielraum: Verwertungsrechte nach Verkauf www.artmagazine.cc/content73419.html

Regentage als Potenzial: Kinder und Museen www.artmagazine.cc/content74202.html

Übermächtige Nachbarn: Museumsumbauten in New York... www.artmagazine.cc/content75256.html

Schnaps für Putin: Kultur und Diplomatie www.artmagazine.cc/content76186.html

Kunst und Lager: Burgtheater, Vordernberg, Sydney Biennale, Manus Island www.artmagazine.cc/content77022.html

Zwanzig Herausforderungen für eine öffentliche Institution www.artmagazine.cc/content77798.html

Flashmobs und Großskulpturen: Aktionsformen im urbanen Raum www.artmagazine.cc/content78523.html

Warum nicht lernen? Antidiskriminierung ist korrekt www.artmagazine.cc/content79199.html

Where´s your name in print? Backstage in der Kunst www.artmagazine.cc/content79730.html

Do it yourself! Gefahr und Chance für die Kunst www.artmagazine.cc/content80665.html

Sitzecken und Hausbesuche: Vorbild Bibliothek? www.artmagazine.cc/content81243.html

Langweilig aber wichtig: Wie viel Geld wofür? www.artmagazine.cc/content81634.html

Kunstmarkt heute: Der Preis der Daten www.artmagazine.cc/content82141.html

Stadt- und Regionalentwicklung: Kunst im öffentlichen Raum als Hoffnung www.artmagazine.cc/content82520.html

CETA, TTIP und die Kultur: Eine Einführung www.artmagazine.cc/content83078.html

BDS, CDS: Boykottaufrufe und Gegenstimmen www.artmagazine.cc/content83524.html

Machtfragen: Einladungen, Vetos, Zensur www.artmagazine.cc/content84003.html

Belastbare Säulen: Governance als unsichtbare Arch... www.artmagazine.cc/content84468.html

Danke für Ihre Zeit! Selbstvermarktung im Wandel www.artmagazine.cc/content84874.html

Zwiespältige Allianzen. Bürgerbegehren zum Bonner ... www.artmagazine.cc/content85932.html

NNYKP - Neue New Yorker Kulturpolitik www.artmagazine.cc/content87247.html

Mit heißer Feder: Sieben Tage in Wien www.artmagazine.cc/content89321.html

Begegnungszone der Disziplinen: Arbeit an der Stad... www.artmagazine.cc/content90639.html

Von A bis Z. 20 Jahre Diskurs artmagazine.cc/content91076.html

Plätze, Terrassen und Dächer: Öffnungen zur Stadt www.artmagazine.cc/content91525.html

Bäder, Büchereien, Sport und Kultur: Zahlenspiele ... www.artmagazine.cc/content91973.html

Der weißeste Job ist Kurator: Diversity in New Yor... http: /www.artmagazine.cc/content92550.html

Nach dem Tag der Arbeit www.artmagazine.cc/content93979.html

Der Verein: Rechtsform der Kunst www.artmagazine.cc/content93465.html

Befreiung der Bilder? Ausstellungen und digitale Formate  www.artmagazine.cc/content93061.html

Institution, Governance und Zivilgesellschaft: Neue Entwicklungen www.artmagazine.cc/content94458.html

Juni 2016: In der Scheiße www.artmagazine.cc/content94878.html

Wolken, Räusche und Maschinen: Engrenzte Formate www.artmagazine.cc/content95611.html

Genug im Kreis gedreht? Veränderung! www.artmagazine.cc/content95938.html

 

 

Wie waren eure Ferien?

Posted by Martin Fritz on Donnerstag, 7. Januar 2016