Stock

Der Hersteller

Zu Christian Stock

 

... aber zeigt etwas! Und laßt Ihn gewahren daß ihr nicht zaubert, sondern arbeitet Freunde. (Bertolt Brecht, Die Vorhänge, 1950)

 

 

1984, Institut für Gegenwartskunst, Akademie der bildenden Künste in Wien: In einer schwarzen Holzkiste liegen drei Tafeln mit den Grundfarben Rot, Gelb und Blau.

 

Stock hat in dieser Arbeit schon alle Bestandteile seiner künst­lerischen Grundlagenforschung ausgebreitet: Holz, Farben, Bildträger. Aus dieser schwarzen Kiste heraus entwickelte sich eine Beharrlichkeit, die exemplifiziert, was ein OEuvre zu leisten imstande ist. Jedes einzelne Werk steht in Verbindung zu einem vorhergehenden oder folgenden, und die immer wieder neue Kombination der elementarsten Bestandteile klassischer künst­lerischer Arbeit erinnert an die Obsessivität, mit der Grundla­genforscher in der Teilchenphysik immer wieder die kleinsten Elemente durch die Beschleuniger jagen, aufeinanderprallen lassen oder sie zu isolieren versuchen, um damit der Erkenntnis zu dienen.

 

Doch Stock ist vielmehr Verlangsamer und beschränkt sich nicht darauf, etwas herauszufinden oder zu analysieren. Schnell würden die Arbeiten dadurch formalistisch oder kunstimma­nenter Autismus. Die Stetigkeit der Stockschen Untersuchun­gen und sein Beharren auf einer evolutionären Produktionsform führen - so sehr sie auch die ewigen Malereiprobleme und ak­tuelle Diskurse thematisieren - immer auch über diese hinaus.

 

Dem Langzeitbeobachter der Arbeit von Christian Stock er­schließt sich eine „alpine" Haltung der Beständigkeit, des Be­harrens und eine Pragmatik, für die feststeht, daß Material nur Ausgangspunkt für Formung und nicht Selbstzweck ist.

 

Darauf aufbauend ist Stocks permanente Rekombination der Grundlagen nie aleatorisches Spiel. Die jeweils spezifische Form ist immer zwingend, und die Prozesse, die zu ihr führen, bleiben ablesbar.

 

Folgerichtig unsentimental und mit großer Klarheit vermitteln Stocks Werke eine Selbstverständlichkeit, die keiner Auratisierung bedarf. Seine Handlungsformen gehören zum Inventar klassischer Produktionsarbeit: schichten, aneinanderfügen, auf­tragen, überarbeiten ...kurz: herstellen.

 

 

 

The Producer

 

... show something! And let him discover that you do not do magic, but instead work, friends. (Bertolt Brecht, The Curtains, 1950)

 

 

1984, Institute for Contemporary Art, Academy of Fine Arts in Vienna. Three boards lie in a black wooden box, each board painted one of the primary colors: red, yellow, blue.

 

In this piece, Stock has presented all pieces of his artistic foundational research. Wood, paint, picture surface. This black box brings forth a persistance which exemplifies what a work is capable of. Each work relates to a previous or a following one. The constant recombination of the most elementary compo­nents of classical art production recalls the obsessive way in which foundational researchers keep chasing the smallest ele­ments through accelerators, making them collide or trying to isolate them in the service of knowledge.

 

Stock, however, tends more to slow down things and does not limit himself to finding out something or analyzing it. This would quickly make the works formalistic or art-immanently au­tistic. The consistent development of Stock's studies and his in­sistence on an evolutionary form of production always trans­cend the issues of painting and current discourse, even as they deal with this.

 

The long-term observer of Christian Stock's works thus takes on a sort of "alpine" approach based on persistance, patience and a pragmatism that assumes that material is only the point of departure for giving form to something and not a means in it­self.

 

Stock's permanent recombination of foundations based on this is never an aleatory game. The specific form is always convin­cing and the processes leading to it remain clear.

 

It thus logically follows that Stock's works are unsentimental, conveying something natural which can do without auratization. His forms of action belong to the inventory of classical art production. Layers placed over each other, applied, processed ...in short: produced.

Martin Fritz

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