Gugging als Modell für die Bundesmuseen

Gugging als Modell für die Bundesmuseen

Kommentar der Anderen: (DER STANDARD-Printausgabe, 21.3.2006)

 

Nach der stärkeren Einbindung von Wissenschaftern in die Elite-Uni: Sollte man nicht eine ähnliche Umstrukturierung der "grenzsowjetisch" organisierten Bundesmuseen planen?

 

Von Martin Fritz

 

So einfach geht's. Da fordert Haim Harari, der ehemalige Leiter des Weizmann Institutes, vorab eine 50-prozentige Mindestpräsenz für unabhängige Wissenschafter im Leitungsgremium des geplanten Institute for Science and Technology Austria in Maria Gugging als Voraussetzung für dessen Funktionsfähigkeit und Profilbildung, und schon wird ihm tags darauf die dafür benötigte Gesetzesänderung signalisiert. – Und die in anderen Bereichen traditionell auslagerungsskeptische SPÖ zieht begeistert mit.

 

Es sei den Direktoren der Bundesmuseen empfohlen, sich an dieser Strategie ein Beispiel zu nehmen und den günstigen Moment für eine Änderung der Leitungsstruktur in ihren teilselbständigen Häusern zu plädieren. Während nämlich die Wissenschaftscommunity selbstbewusst ihre Vertretung in den obersten Gremien einer Leitinstitution einfordert, gibt die – nie diskutierte – Zusammensetzung der Museumskuratorien tiefen Einblick in die immer noch zentralistischen Vorstellungen von der "Unabhängigkeit" ausgelagerter Häuser im Kunstbereich.

 

Man lasse sich angesichts der Auseinandersetzungen über Gugging den folgenden Auszug aus dem Bundesmuseengesetz (BGBL 14/2002 ursprünglich aus dem Jahr 1998) auf der Zunge zergehen und frage sich selbst, ob diese Besetzung des Aufsichtsorgans die beste Basis für eine erfolgreiche Positionierung und Profilierung der jeweiligen Häuser darstellt:

 

Weniger Aufsicht, ...

 

§ 7. (1) Die Kuratorien ... setzen sich wie folgt zusammen:

 

1. aus zwei vom Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Kultur bestellten Mitgliedern,

 

2. aus einem vom Bundesminister für Finanzen entsandten Mitglied,

 

3. aus einem vom Bundeskanzler entsandten Mitglied,

 

4. aus einem vom Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit entsandten Mitglied,

 

5. aus einem vom Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Kultur bestellten, auf dem Forschungsgebiet des betreffenden Bundesmuseums tätigen Wissenschafter, der nicht Bediensteter dieses Bundesmuseums sein darf,

 

6. aus einem vom Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Kultur bestellten Mitglied aus dem Kreis der Förderer des betreffenden Bundesmuseums,

 

7. aus einem vom zuständigen Betriebsrat entsandten Mitglied,

 

8. aus einem von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst entsandten Mitglied.

 

Eine derartige Anbindung an die Zentralbürokratie und damit an die Regierung wurde beispielsweise in der Diskussion um die Neustrukturierung des Aufsichtgremiums für das nationale Fernsehen in Moldawien vor zwei Jahren als grenzsowjetisch kritisiert und von oppositionellen Kreisen des Landes entschieden zurückgewiesen.

 

... mehr Kompetenz

 

Es ist auch leicht vorstellbar, dass eine vergleichbare Struktur zum sofortigen Rücktritt des Internationalen Komitees für das Institut in Maria Gugging führen würde. Daher verwundert es, dass im Bereich der Museen die jeweiligen Verantwortlichen nicht vehement für deren Änderung eintreten.

 

Könnte das vielleicht damit zu tun haben, dass die durchaus machtbewussten Kollegen lieber vor ihren bürokratisch besetzten Gremien brillieren (oder diese gleich links liegen lassen und direkt zur Ministerin pilgern), als sich eine stärkere Einbeziehung ihrer "Peers" zu wünschen? Oder liegt es daran, dass diese Struktur noch zu Zeiten der großen Koalition (man beachte den Sitz für Betriebsrat und Gewerkschaft!) erarbeitet wurde, als noch als Fürsorge galt, was heute – für Gugging auch von Josef Broukal – als inakzeptabel kritisiert wird?

 

Wenn entpolitisierte und bürokratieferne Leitungsgremien als unabdingbare Voraussetzung für wissenschaftliche Spitzenleistungen anerkannt und offenbar problemlos zugestanden werden, dann sollte doch, was für die Forschungspolitik recht ist, für die Kunst nur billig sein: mindestens 50 Prozent Anteil für Leute "vom Fach" in den Aufsichtsgremien aller Bundesmuseen und anderer öffentlich finanzierter kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen!

 

Zur Person

 

Martin Fritz ist Kurator und Leiter des Festival der Regionen in Oberösterreich, Vorstandsmitglied der Manifesta- Foundation in Amsterdam und berät in Strukturfragen unter anderem "relations" - ein teilausgelagertes Förderungsprogramm für Ost- und Südosteuropa der Kulturstiftung des Bundes in Berlin.

 

 

 

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