Akkreditierung

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Eine nicht unerhebliche Einschränkung des Handlungsspielraums – in diesem Fall jedoch für nichtstaatliche – Hochschulen stellen die Anforderungen für die staatliche Anerkennung dar. Da die nichtstaatlichen Hochschulen Wert auf die Gleichwertigkeit ihrer Abschlüsse mit jenen des staatlichen Bereichs legen, bemühen sich auch nahezu alle nichtstaatlichen Hochschulen um die staatliche Anerkennung ihres jeweiligen Sitzlandes. Für diese Anerkennung übernimmt der Wissenschaftsrat in Zusammenarbeit mit Akkreditierungsagenturen die Rolle eines Gutachters. Ohne auf die Kontroversen zu Rechtsnatur und Legitimation des Wissenschaftsrats einzugehen, lässt sich feststellen, dass die vom Wissenschaftsrat entwickelten Leitlinien und Prüfkriterien zur Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen einen relativ engen Rahmen für die Aktivitäten nichtstaatlicher Hochschulen abstecken.[53]

 

Für das Thema dieser Abhandlung ist dabei insbesondere relevant, dass der Wissenschaftsrat mit dem Begriff der „Hochschulförmigkeit“ immer auch voraussetzt, dass eine Vielzahl von wissenschaftlichen Stimmen gewährleistet wird. So etwa als Prüfkriterium zum Promotionsrecht: „ Die an der Hochschule vertretenen Disziplinen oder im Fokus von Lehre und Forschung stehenden Gegenstandsbereiche weisen in Lehre und Forschung eine erhebliche Binnendifferenzierung auf, die sich in einer institutionell gesicherten Vielfalt von fachlichen Ausrichtungen, Theorien oder Schulen abbildet.“[54] Es kann daher als zweifelhaft gelten, ob eine eindeutig politisch-ideologisch verfasste Hochschule mit dementsprechend „einseitigen“ Inhalten den Kriterien des Wissenschaftsrats in Bezug auf die Hochschulförmigkeit entsprechen würde.

 

Dass diese Überlegungen mehr sind als ein abstraktes Gedankenspiel mag der Hinweis auf die im Umfeld der Reformpädagogik oder der Kirchen organisierten Hochschulen illustrieren, zu deren pädagogischem Kernbestand ja eine gewisse „Einseitigkeit“ gehört.[55] Zu den Anforderungen kirchlicher Hochschule hat sich der Wissenschaftsrat etwa folgendermaßen geäußert: „Das Lehrangebot vermittelt fachspezifisch eine Vielfalt wissenschaftlicher Inhalte, Methoden und Theorien und bietet die Möglichkeit, im Verlauf des Studiums bei verschiedenen hauptberuflichen Professorinnen und Professoren Lehrveranstaltungen zu belegen“.[56]

 

„Ein Mindestmaß an Übereinstimmung mit den Bekenntnisgrundlagen der Hochschuleinrichtung kann für die Zulassung zum Studium vorausgesetzt werden. Im Rahmen des theologischen Studiums und der damit verbundenen Prüfungsleistungen darf die Hochschule ihren Studierenden jedoch keinerlei wissenschaftswidrigen Bekenntniszwang auferlegen. Nicht allein in Lehrveranstaltungen, sondern auch im Prüfungsgespräch müssen alle wissenschaftlich möglichen Positionen diskutiert werden können. Selbst die begründete Abweichung Studierender von der Bekenntnisgrundlage der Hochschule darf von ihren Lehrkräften oder ihrem Träger nur innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses und gemäß dessen Kriterien, keinesfalls aber durch wissenschaftsfremde Druckmittel wie etwa die zwangsweise Exmatrikulation sanktioniert werden“.[57]

„Im Kontext von Forschung und Lehre muss gewährleistet sein, dass alle theologisch denkbaren Positionen frei und ohne Furcht vor Sanktionen durchdacht, kommuniziert und publiziert werden können. Diese Freiheit schließt ausdrücklich die Möglichkeit ein, auf wissenschaftlich nachvollziehbarer Grundlage ein hergebrachtes Verständnis des jeweiligen Bekenntnisses in Frage zu stellen“.[58]

 

Im Umkehrschluss kann gefolgert werden, dass der Wissenschaftsrat religiös „enger“ verfassten Hochschulen die Akkreditierung verweigern würde.

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[53]Wissenschaftsrat, Leitfaden der Institutionellen Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen, 30.1. 2015.

[54]Wissenschaftsrat (o. Fußn. 95).

[55] Zu den „bekenntnisgebundenen“ Hochschulen siehe etwa: Wissenschaftsrat, Kritierien der Hochschulförmigkeit bekenntnisgebundener Einrichtungen im nichtstaatlichen Sektor, 2014.

[56]Wissenschaftsrat.

[57]Wissenschaftsrat (o. Fußn. 97), S. 14.

[58]Wissenschaftsrat (o. Fußn. 97), S. 15.