Zentrum des Zentalraums

Zentrum des Zentralraums

(Erschienen im Mai 2008 im Programmbuch 2/3 von Linz09 Kulturhauptstadt Europas)


Linz ist die Zentrale des Zentralraums. Die offenen Ränder, die allgegenwärtigen Durchzugs- und Zubringerstraßen und eine alles durchschneidende Westbahn lassen uns die Stadt nicht als isoliertes urbanes Zentrum, sondern vielmehr als Mittelpunkt und Drehscheibe eines Großraums betrachten. Dessen inneren Bereich bildet das Städtedreieck Linz-Wels-Steyr. Die Ränder jedoch beschreiben beinahe das gesamte Bundesland - grob gesprochen jene Zone, die innerhalb einer Autostunde von Linz aus erreicht werden kann. Sie erstreckt sich somit im Süden und Südwesten bis knapp an die Alpen, im Norden und Nordosten bis über die tschechische Grenze, und spannt sich damit vom vermeintlich abgeschiedenen Landleben bis hin zur exzessgetränkten Samstagnacht in der Linzer Altstadt.


Diese Autostunde markiert auch den Radius einer fiktiven "Mental Map" der LinzerInnen, auf der prägende Orte und Räume mit großer Wahrscheinlichkeit auch außerhalb der Stadtgrenzen zu finden sein werden. In Linz kann man ProtagonistInnen dieses dualen Lebensstils überall treffen und mit hoher Dichte auch in jenen Szenen, denen das Prädikat "urban" gemeinhin zugeschrieben würde. Der Programmkinobetreiber, der das Fußballtraining in seinem 45 Minuten entfernten Wohnort ungern auslässt. Der kritische Publizist mit Segelboot im Salzkammergut. Der Vizerektor, der Linz von seinem höher gelegenen Wohnort mit Schiern erreichen könnte, oder der wanderbegeisterte Stadtsoziologe. Sie alle stellen nur einen kleinen Ausschnitt aus den vielfältigen Beziehungen von Linz mit seinem erweiterten Umland dar. Ihre Wege kreuzen sich mit den aus der Gegenrichtung kommenden LinznutzerInnen, die aus kleineren Orten in die Stadt kommen, um einen Film zu sehen, einen Vortrag zu hören oder eine Vorlesung zu besuchen, ohne darauf zu verzichten, am nächsten Morgen zum Singen der Vögel im Garten zu erwachen. grob gesprochen jene Zone, die innerhalb einer Autostunde von Linz aus erreicht werden kann. Sie erstreckt sich somit im Süden und Südwesten bis knapp an die Alpen, im Norden und Nordosten bis über die tschechische Grenze, und spannt sich damit vom vermeintlich abgeschiedenen Landleben bis hin zur exzessgetränkten Samstagnacht in der Linzer Altstadt. Sagen Sie nie Vorstadt zu Traun" war der gutgemeinte Rat eines Medienmanagers) in die Radarfallen geraten. Für viele Frauen bietet der Linzer Arbeitsmarkt primär Teilzeitbeschäftigungen; sie machen einen Großteil des Verkehrs zu Mittag und am frühen Nachmittag aus, wenn sich jeweils die tägliche Hetze um die Abholung der Kinder aus den Betreuungseinrichtungen wiederholt. Dazwischen findet sich jene punktuelle Mobilität mit Terminen "in der Stadt", wo für fast jede Branche zentrale Dienste vorhanden sind.


Viele andere kreuzen täglich die Grenzen der Stadt. In den routiniert abgehandelten morgendlichen Staus auf der Rudolfstraße findet sich ein großer Teil der männlichen Bevölkerung des oberen Mühlviertels. Die Züge und Busse verteilen die sogenannten "Fahrschüler" aus zahlreichen Nachbargemeinden auf die Bildungseinrichtungen der Stadt. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens könnten an den Zubringern aus den Umlandgemeinden ("Gerade an diesen punktuellen Bewegungen zeigt sich jedoch ein Grundmuster: Linz ist nicht Endziel oder Zentrum, sondern nur eine unter mehreren Destinationen in einem mobilen Alltag. Der kann zum Beispiel mit einem Frühstück in Ansfelden beginnen und in der PlusCity mit einem Teilzeitjob weitergehen, bevor die Kinder wieder in Ansfelden bekocht werden und eines davon anschließend nach Linz zum Arzt muss, was dem in Steyr arbeitenden Partner am Mobiltelefon sehr passt, weil das Geschenk für die Mutter doch gleich in der Landstraße besorgt werden könnte. Nun hat Linz als urbanes Zentrum Glück, wenn die Protagonistin dieser fiktiven Geschichte die kleinen Gassen mag, Geld für das Parkhaus hat, "eh" noch bei einer Freundin aus Traun vorbeischauen wollte, die am Hauptplatz arbeitet, und darüberhinaus gar die Straßen frei sind. Doch schnell ist unsere prototypische Stadtbenützerin an das Umland verloren, wenn sich ÄrztInnen, BuchhändlerInnen und ArbeitgeberInnen, motiviert durch eine ehrgeizige Kommunalpolitik, entscheiden, Linz dauerhaft mit Ansfelden zu vertauschen.



Für die Orte außerhalb der Stadt ist die Herausforderung klar. Sie besteht vor allem darin, Abwanderung zu vermeiden und Neuzuzug zu motivieren. In der Folge steht Linz vor der Entscheidung: Soll es eine effiziente Docking-Station im Zentralraum sein, großzügig orientiert an den Mobilitätsknotenpunkten, oder eine verdichtete und im besten Sinn primär auf sich bezogene Stadt?

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