Salzburg zu billig

Salzburg zu billig

Veröffentlicht in der PRESSE vom 6. 8. 2008 unter dem Titel "Salzburgs wahre Sponsoren"

Angesichts der Publicity-Welle für die Hauptsponsoren der Salzburger Festspiele sind Präzisierungen notwendig.Wie in jedem Sommer erfährt man als Fernbeobachter der Salzburger Festspiele primär, dass diese ohne ihre Hauptsponsoren nicht mehr vorstellbar wären. Die Webpräsenz der Festspiele zeigt auf allen Seiten überhaupt nur mehr die Logos von Audi, Credit-Suisse, Nestlé, Siemens und Uniqua in der Unterstützerleiste und stellt damit fünf Partner in den Vordergrund, die neben ihren Sachleistungen jeweils ca. 700.000 Euro (Wert 2007 lt. Interview mit Susanne Harf, „Die Presse", 10. 8. 2007) zum Gesamtbudget der Festspiele beitragen.

Worin liegt das Problem? Nun - das Budget der Festspiele lag 2007 bei knapp über 47 Mio. Euro. Übertragen wir dies auf den privaten Bereich: Sie beteiligen sich mit den Kosten Ihres Essens, Bestecks und einem Aushilfskellner an einer Feier in einem Privathaus, zu der 80 andere Personen geladen sind, und stehen dafür größer als der Gastgeber und Hauseigentümer und mit maximal vier anderen Gästen auf der Einladungskarte. Es ist also möglich, mit einem Beitrag von nicht einmal 1,5% der Gesamtkosten pro Hauptsponsor den Eindruck zu erwecken, dass die Festspiele ohne diesen Beitrag nicht vorstellbar wären.Zweierlei wird vergessen: Neben den Investitionen der Vergangenheit beträgt der Zuschuss der öffentlichen Hand (ohne laufende Investitionen) immer noch knapp über 25% der jährlichen Kosten, also ein Vielfaches der Sponsorenbeiträge; und vor allem tragen mit fast 50% der Einnahmen die Besucher und Besucherinnen zum Zustandekommen der Veranstaltung bei. Wäre es aus Sicht der öffentlichen Hand nicht günstiger, die laut Präsidentin Rabl-Stadler („Die Presse", 25.7.) knapp 4,7 Mio. Gesamtsponsorenbeiträge selbst in die Hand zu nehmen und sich als verantwortliches Gemeinwesen zu präsentieren, als sich die Sichtbarkeit mit Sponsoren zu teilen, deren niedrige Beiträge in den immer wieder als Sponsoringvorbild hoch gelobten USA nicht einmal zur dauerhaften Benennung einer Galerie in einem renommierteren Museum reichen würden?

Die österreichische Konzentration auf Unternehmenssponsoring lässt beharrlich außer Acht, dass es in den USA eben nicht Sponsorzahlungen von Unternehmen mit dementsprechendem Werbewert sind, die den Großteil der privaten Zuwendungen ausmachen, sondern die steuerbegünstigten Direktzahlungen, Spenden und Zuwendungen von Einzelpersonen und Stiftungen, beginnend mit dem Eintritt über die günstigen Mitgliedschaften bis zu den hier zu Lande mangels Kapitalkonzentration nicht vorstellbaren Zuwendungen zahlreicher Multimillionäre, ohne dass für ihre Unternehmen Werbung gemacht werden müsste. Berücksichtigt man die Steuerauswirkungen dieser Donations wiederum als Beitrag der öffentlichen Hand, kommt über diese Hintertür auch dort ein wesentlicher Anteil des Gemeinwesens zu Stande. Diesem Beispiel folgend sind es auch in Salzburg die weitaus diskreteren „Freunde und Förderer der Festspiele" die immerhin 2,3 Millionen zum Gesamtbudget beitragen.

Bei allem kollegialen Verständnis für die Zusatzfinanzierungsnöte der Salzburger KollegInnen ist angesichts der dort eingeführten günstigen Preise für Hauptsponsoren festzuhalten, dass die Festspiele vor allem ohne deren BesucherInnen und ohne die öffentliche Hand nicht vorstellbar wären.

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